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Deine Lakaien
Deine Lakaien virtuell - Konzert im Livestream 2020 Berlin

25.07.2020
Deine Lakaien gaben eine Premiere der anderen Art: ein virtuelles Konzert. Selbst für die beiden Musiker, die nun schon seit über 30 Jahren zusammen auf der Bühne stehen, war dies eine völlig neue, sehr eigenartige Erfahrung so ganz ohne Publikum.

Wir leben momentan in eigenartigen Zeiten – „vreemd“ wie ein niederländischer Kollege meinte. Leider in vielerlei Hinsicht nicht auf eine gute Art. Für Deine Lakaien Fans aber zumindest in einer Weise aber doch, auch wenn die Corona-Krise die Veröffentlichung des neuen Albums ins nächste Jahr rücken lässt. Deine Lakaien gaben eine Premiere der anderen Art: ein virtuelles Konzert. Selbst für die beiden Musiker, die nun schon seit über 30 Jahren zusammen auf der Bühne stehen, war dies eine völlig neue, sehr eigenartige Erfahrung so ganz ohne Publikum.

Nein, natürlich waren sie nicht ohne Publikum. Mehrere tausend Fans verfolgten das Spektakel live auf verschiedenen Plattformen im Internet. Die meisten hatten sich dabei auf YouTube eingefunden, auch einige Bekannte aus dem Colour-Ize Forum meldeten sich im Chat. Überhaupt ist bei einem Konzert so ein Chat eine praktische Sache, kann man sich doch austauschen, ohne dabei andere in ihrem Musikgenuss zu beeinträchtigen. Leider bedeutet es auch, dass die Musiker den Applaus nicht hören können. Wenigstens zwischen den Stücken müssten sie ihn eigentlich eingeblendet bekommen, damit sie sich nicht ganz so fühlen „wie bei einer Probe“, wie Alexander zwischendrin anmerkte.

Im Interview mit Kate Kaputto vom Culture Cast Team, das diesen Abend technisch und organisatorisch möglich machte, gab Ernst zu, dass das ungewohnte Setting dann doch zu einer gewissen Anspannung führt. Sie hätten auch „besonders brav geübt“.

Das muss so gewesen sein, jedenfalls war nichts von dieser Anspannung zu spüren, sobald der erste Ton von „Wunderbar“ erklang. Die Set-List war fast identisch mit der des zweiten Teils der Acoustica-Konzerte, wenn auch etwas kürzer. Nur die Reihenfolge war eine andere und statt „Follow me“ machte „Love me to the end“ den Abschluss. Und es gab eine Überraschung. Aber dazu später mehr.

Tatsächlich kam das „klassische“ Akustik-Set bei den Fans sehr gut an. Es scheinen gerade alle ein starkes Bedürfnis nach Vertrautem zu haben. Und so war dieses Konzert wieder einmal Balsam für die Seele. Und das nicht nur für langjährige Fans. Das Streaming machte es möglich, dass ich einen guten Freund endlich mal zu seinem ersten Lakaien-Konzert „mitnehmen“ konnte – inklusive Side-Chat in Skype. VR macht es eben auch möglich, an mehreren Orten gleichzeitig zu sein. Schon das erste Stück fand er, ohne den Titel zu kennen, „wunderbar“. Klischee lässt grüßen. Aber das lässt sich halt bei so gut gemachter Musik nicht immer vermeiden. Seinen Texthänger bei „Gone“ hat Alexander so gekonnt improvisiert, dass das Stück eine ganz neue und durchaus interessante Note bekam. Das muss man bei einem 11/8 Takt auch erstmal schaffen.

Besagter Freund bewunderte dann die Leichtigkeit in Ernsts Klavierspiel bei „Without your words“, die mich auch immer wieder neu bezaubert wie beim ersten Mal. Da stört dann auch der bei diesem Stück laut Ernst obligatorische Verspieler nicht.

Bei den sanft-melancholischen Balladen, „Where the winds don`t blow“, „Return“ und „The game“, dann „steht die Welt kurz still und erscheint friedlich“, um aus dem Chat zu zitieren. Die Überraschung, ein Stück vom neuen Doppelalbum, entpuppte sich als Coverversion von „Because the night“ von Patty Smith und Bruce Springsteen und stand dem Original an elektrisierender Spannung und Energie in nichts nach.
Spätestens mit „Love me to the end“ hatten die Lakaien dann einen neuen Fan, der auch brav ein Soli-Ticket gekauft hat. Eine tolle Möglichkeit, nicht nur die Band und das Team von Culture Cast zu unterstützen, sondern mit einem Drittel der Einnahmen auch das Projekt handforahand, ein Solidaritätsfond, mit dem alle die Menschen unterstützt werden, die sonst die Musikerinnen und Musiker bei ihren Konzerten unterstützen.

So war dieses Konzert in mehrfacher Hinsicht eine Oase in der Corona-Kulturwüste. Herzlichen Dank dafür an dieser Stelle nochmal an die Band und an das Culture Cast Team. Sollte sich diese Wüste als weiter erweisen als wir hoffen und die im Herbst geplanten Konzerte ins nächste Jahr verlegt werden müssen, ist hoffentlich bei Zeiten ein weiteres Konzert dieser Art angesagt. Bis dahin werden wir Fans uns mit Manna in der Form von monatlichen Vorveröffentlichungen von Songs vom neuen Album begnügen müssen.

Setlist

1. Wunderbar
2. Where you are
3. Over and Done
4. Gone
5. Without your words
6. Down, down, down
7. Where the winds don’t blow
8. Return
9. The Game
10. Because the night
11. Love me to the end