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Helium Vola
Exklusives Interview mit Ernst Horn zu HELIUM VOLA

22.05.2001
Ernst Horn meldet sich zurück: „HELIUM VOLA“ ist ein brandneues Studioprojekt, an dem er schon seit langem insgeheim arbeitet. Nun wird es Zeit, einige der Geheimnisse um HELIUM VOLA zu lüften und so hat sich Ernst netterweise dazu bereit erklärt, das erste ausführliche Interview exklusiv für die Mitglieder des Colour-Ize zu geben.

Colour-Ize: Dein neues Studio-Album HELIUM VOLA erwarten wir ja alle mit großer Spannung. Jetzt interessiert uns natürlich sehr, was denn dieser Titel eigentlich bedeutet, was es damit auf sich hat!
Ernst Horn: Gute Frage. Helium hat mir von vornherein immer so als Name vorgeschwebt. Das war eigentlich die aller erste Namensidee überhaupt. Ich weiß auch nicht warum…. so ein Edelgas, das in die Lüfte entfliehen möchte. Es war einfach auf der einen Seite so ein technisches Gefühl, aber auf der anderen Seite so etwas hochfliegendes.
Colour-Ize: Hat es denn mit der Platte an sich zu tun, daß Du einen Titel ausgesucht hast, der etwas „in die Luft steigendes“ hat?
Ernst Horn: Naja…… Es gibt so einen Satz, ich glaube der ist von Leonardo da Vinci, der heißt: „Binde deinen Karren an einen Stern“. Ich habe mir das zu Hause mal aufgeschrieben. Als mich dann ein Freund besuchte, sagte er: Hat Dir das einer ans Auto geklebt, weil Du falsch geparkt hast? (lacht.) Ja es hat schon etwas mit hochfliegen zu tun, vielleicht auch mit der ganzen Situation, in der ich das angefangen habe. Aber ich will das jetzt hier nicht zu sehr ausbreiten.
Colour-Ize: Wie lange arbeitest Du denn eigentlich schon an HELIUM VOLA?
Ernst Horn: Ach schon ewig. Also die ersten Skizzen, die ersten Gedanken habe ich schon seit über zwei Jahren. Durch den Split von Qntal - das war etwa vor einem Jahr, als ich beschlossen habe, da nicht mehr mitzumachen - ist es dann natürlich sehr aktuell geworden. Ich habe allerdings im Jahr 2000 an mehreren Sachen gleichzeitig gearbeitet, sowohl die nächste Lakaien, als auch HELIUM VOLA und auch noch an einem anderen Projekt, was jetzt aber noch nicht direkt am Start ist. Das ist dann einfach so eine Terminsache geworden, ich habe Sänger gesucht, speziell eine Sängerin, die mehr oder weniger die Hauptarbeit an der Sache übernehmen sollte und als ich die gefunden habe, hat es sich einfach automatisch ergeben, auch wegen der ganzen Terminschwierigkeiten, daß ich das jetzt einfach sofort machen mußte. Und seit letztem Herbst bin ich wirklich so richtig fett dran, im Studio.
Colour-Ize: Du hattest gerade den Split von Qntal schon angesprochen. Was für Gründe gab es denn da?
Ernst Horn: Ja, das ist schwierig. Es war eigentlich immer schon so eine Sache, daß Michael und Sigi nicht so ganz zufrieden waren mit der Art und Weise, wie ich arbeite. Ich hocke da in meinem Studio und werkele vor mich hin und es ist manchmal schon etwas schwierig für andere Leute da in die Sache den Einfluß zu nehmen, den sie eigentlich haben sollten, wenn man sich wirklich als Band versteht. Es ist da einfach nicht mehr zusammen gekommen, ich hatte wirklich das Gefühl, daß es besser ist, ich mache die Sache allein. Ich habe aber auch zu Sigi und Michael gesagt, daß es überhaupt kein Problem für uns alle ist (auch für mich nicht), wenn die beiden das als Qntal weiter machen.
Colour-Ize: Qntal ist ja soweit auch am Laufen, wie man das so mitkriegt!
Ernst Horn: Nehme ich doch mal an, nach allem, was ich so gehört habe. Ich habe es ja auch damals Michael gesagt……. Michael ist ja jetzt nicht so der absolute Elektronik-Freak. In sofern ist es dann auch naheliegend, daß er da noch jemanden sucht für die Elektronik, obwohl er selber eigentlich sehr viel von Computern und Synthesizern versteht. Nur ist es schon besser, da noch einen Keyboarder dabei zu haben und ich nehme an, daß sie es auch so machen. Vom Songwriting hat er das ja auch selber drauf. Ich nehme schon an, daß das jetzt ganz gute Wege geht. Es wird auch bestimmt anders werden als Qntal vorher.
Colour-Ize: Was hat Dich denn dazu veranlaßt, wieder in Richtung Mittelalter zu gehen und nicht erneut ein experimentelles Hörspiel zu machen?
Ernst Horn: Durch meinen Ausstieg bei Qntal ist für mich da irgendwo eine Lücke entstanden, denn ich hänge sehr an dieser Atmosphäre. Erst mal liebe ich die Lyrik, dann mag ich auch die Mittelaltermusik sehr, auch wenn das, was ich mache nicht unbedingt in historischer Form mittelalterliche Musik ist. Aber es ist doch die Atmosphäre, die mich einfach sehr anzieht. Es ist in der Musik so eine Scheuheit drin, so etwas Weltfernes…… Natürlich sind diese Sachen auch weltlich, aber mir kommen sie so….. sie haben so etwas Unberührtes. Ich kann es sehr sehr schwer sagen, man hat immer so das Gefühl, das „Ich“ und die „Person“ und die „Gefühle“, die sind zwar alle da. Aber irgendwo sind sie so eingesponnen in so was Schicksalhaftes von Außen, so etwas Unanfechtbares, ja in irgend etwas ganz Zwingendes. Es ist einfach ein Gefühl, das mich unheimlich anzieht. Es ist auch seltsam, daß auch diese Gothic-Szene sowas anzieht. Diese Szene war ja nicht von Anfang an so mittelalterorientiert, gerade wenn man sich so die Anfänge betrachtet: Bauhaus, Sisters Of Mercy, aber es ist automatisch da irgendwie hingekommen.
Colour-Ize: Die wissen auch warum, es ist ja schöne Musik.
Ernst Horn: Ja natürlich, sicher, klar. Auch wenn kein Mensch wirklich genau weiß, wie damals eigentlich gespielt worden ist. Natürlich war das damals auch etwas anderes. Ja einfach die ganze Palette, von Kirchengesang, der einfach nur dazu da sein sollte, bestimmte Rituale zu erfüllen, bishin eben zum Gassenhauer-Sänger, der viel irdischer und seinen aktuellen Nöten verbundener war, als wir jetzt mit unseren hochfliegenden Spinnereien.
Colour-Ize: Hast Du denn nicht Sorge, daß man die Projekte HELIUM VOLA und Qntal zu sehr vergleichen wird?
Ernst Horn: Tja, da kann man nichts dagegen machen. Das wird hundertprozentig kommen. Und es wird auch Leute geben, die sagen, Qntal war besser, als das hier jetzt. Ich habe auch nicht so unbedingt darauf geachtet, daß Helium Vola anders wird als Qntal, das kann ich auch nicht. Es ist ja letzten Endes eine Musik, die ich in dieser Art und Weise machen möchte. Und die Probleme, die ich dabei habe, beim Songwriting und beim Produzieren, sind ja nicht unbedingt, Qntal zu vermeiden, sondern ich habe da ganz andere Probleme. Das ist vielmehr: Wie gestalte ich so einen Song? Wie vermeide ich einen gewissen Schematismus, der bei mir im Hirn vorhanden ist bzw. auch durch die Arbeit mit dem Computer kommt. Das sind eigentlich die Sachen, mit denen ich viel größere Probleme habe, als damit, was dann später die Leute darüber sagen.
Colour-Ize: Ich kann mir allerdings auch vorstellen, daß man eventuell bei weiteren Qntal-Veröffentlichungen dann sagt: „Da fehlt jetzt aber Ernst Horn!“
Ernst Horn: Irgend etwas wird immer kommen. Aber ich nehme auch an, daß Qntal jetzt auch in irgend eine andere Richtung geht. Es wird dann wohl mehr oder weniger noch jemand anderes mitproduzieren und Michael hat bestimmt auch noch andere Ideen, so geht das halt.
Colour-Ize: Kann man bei HELIUM VOLA denn von einer musikalischen Weiterentwicklung sprechen? Was unterscheidet Deiner Meinung nach HELIUM VOLA maßgebend von Qntal?
Ernst Horn: Ich komme natürlich automatisch in bestimmte andere Richtungen. Auch durch die Arbeitsweise jetzt, die völlig unabhängig ist. Und dadurch, daß ich ja auch mehrere Sänger habe: Es sind ja eine Menge Sachen im Ensemble geschrieben. Und ich war jetzt, weil ich für diese Ensembles und für die Instrumentalisten, die dabei waren, Noten schreiben mußte, gezwungen, anders zu arbeiten. Von daher bin ich mehr in so etwas kompositorisches gekommen. Es ist auch die Tatsache, daß ich da zwei Gedichte von Houllebecq mit drin habe - der ist ja ein moderner Autor und kein mittelalterlicher - und dies hat mich ja noch in ein anderes Fahrwasser als Komponist gebracht. Also von daher ist es bestimmt wieder anders als Qntal, würde ich schon sagen.
Colour-Ize: Du hast gerade die Instrumentalisten angesprochen. Wie viele Musiker, bzw. wie viele Sänger umfaßt denn HELIUM VOLA und wie ist diese Zusammenarbeit denn zustande gekommen?
Ernst Horn: Sabine Lutzenberger, die ja die Hauptarbeit trägt, die habe ich angerufen…… (lacht). Also ich habe es tatsächlich ganz banal gemacht und bin in ein Klassische-Musik-Geschäft gegangen und habe mir einen Stapel Platten mit mittelalterlicher Musik besorgt und habe das alles der Reihe nach durchgehört und war natürlich total glücklich, daß ausgerechnet die Sängerin, die mir wirklich mit weitem Abstand am besten gefallen hat, in der Nähe wohnt, nämlich in Augsburg. Es war also ein großer Glücksfall. Ich habe schon damit gerechnet, daß es jemand aus Frankreich wird….
Colour-Ize: Du hast also vorher die meisten Musiker noch gar nicht gekannt!
Ernst Horn: Da ist alles unbekannt gewesen bisher. Die anderen Sänger kannte ich zum Teil schon: Andreas Hirtreiter, Gerlinde Sämann…. Tobias Schlierf kannte ich über Estampie; der hat ja bei denen auch mitgesungen, Gerlinde Sämann übrigens auch, die kannte ich auch über Estampie und die Susan Weiland habe ich über eine Empfehlung eines Freundes kennen gelernt.
Colour-Ize: Man kann also zurecht, wie auch im offiziellen Pressetext geschrieben, von einer wahren Monster-Produktion sprechen, nach allem, was Du erzählst!?
Ernst Horn: Das hat sich vollkommen uferlos ausgewachsen, das ist für mich ein totales Problem. Puhhh, das ist ein riesen Teil geworden. Ich habe das natürlich ursprünglich nicht so geplant. Es ist einfach immer mehr geworden bei all der Begeisterung, die ich dafür hatte. Langsam ist es mir ein bißchen unheimlich geworden, es ist jetzt so viel, und langsam (lacht) hab ich das Gefühl, es treibt mich vor sich her anstatt umgekehrt. Es ist schon arg.
Colour-Ize: Habt Ihr denn auch geplant, das Projekt live umzusetzen?
Ernst Horn: Daran denke ich im Moment überhaupt nicht. Ich hatte ursprünglich mal die Idee, das mir mal vorzustellen und zwar nur Sabine und ich am Klavier, quasi vorab. Wir wollten eventuell mal beim Zillo-Festival anfragen und in Leipzig, aber das hat sich nun nicht ergeben, denn bei Sabine ist das terminlich momentan äußerst schwierig; Die ist um die Zeit in Belgien auf Tournee und das haben wir dann wieder verworfen.
Colour-Ize: Also eine kleine Acoustic-Tour?
Ernst Horn: Eher so 2 oder 3 kurze Vorauftritte, nur ganz kleine Sachen, um es einfach ein bißchen bekannt zu machen, bevor es rauskommt. Man muß ja auch bedenken, daß ein paar Plattenhändler die Hände überm Kopf zusammenschlagen, wenn sie an Ernst Horn denken (lacht) : „Skies Over Bhagdad“ und „Johnny Bumm’s Wake“, von daher muß man schon ein bißchen schauen…..
Das mit Live-Auftritten ist eine Sache, die - wenn überhaupt - in einiger Ferne liegt, weil ja dann erst mal die Lakaien dran sind: das ist auch eine Menge Arbeit, wenn wir vorhaben, im Winter die Platte rauszubringen…… Dann werden wir wohl auch Live-Auftritte danach haben. Und so, wie ich das jetzt weiß von der Kasmodiah-Zeit, geht das ja auch immer nach der Veröffentlichung noch munter weiter mit Video und Auskopplung usw.
Colour-Ize: Ist HELIUM VOLA ein einmaliges Projekt, oder hast Du es auch längerfristig geplant, also auch eventuell mehrere Alben unter HELIUM VOLA rauszubringen?
Ernst Horn: Ja sicher. Na ja klar möchte ich, daß wir da dran bleiben, an der Geschichte!
Ich merke ja jetzt auch, wie viel Spaß mir das macht. Ich habe wirklich im Moment da eine Begeisterung, wie ich sie schon seit langem nicht mehr hatte. Ich gehe also wirklich auf in der Sache.
Colour-Ize: Woher stammen denn eigentlich die Texte dieses Projektes und nach welchen Kriterien hast Du sie ausgewählt?

Ernst Horn: Es gibt da eine Ausnahme, und zwar ist das das erste Stück, die kommende Single „Omnis Mundi Creatura“. Das hat mir die Sigi mal gegeben und hat mich gefragt, ob das ein interessanter Text wäre für Qntal….. und ich Schuft hab’s nun für diese Single genommen. Lustigerweise gibt’s auch von Qntal selbst eine auf einem Sampler erschienene Nummer mit dem selben Text. Gott sei Dank ist es ein völlig anderes Stück geworden.

Die anderen Texte hab ich - ich meine, das sind sowieso alles allgemein zugängliche Texte - aus Büchern: Sowas kann man eigentlich normal im Buchhandel kaufen, z.B. „Lieder der Trobadoure“ und „Frauenlieder des Mittelalters“ usw. Ich habe da einen ganzen Stapel Bücher und habe mir irgendwann mal die Mühe gemacht, das richtig durchzuforsten nach guten Texten, die man vertonen könnte und habe das für mich mal zusammengestellt. Ich hab da so einen Ordner…..

Colour-Ize: Und da kannst Du dann immer so nach Bedarf……
Ernst Horn: Davon kann ich eine Zeit lang zehren, genau.
Colour-Ize: Hast Du für dieses neue Album ein bestimmtes Konzept oder handelt es sich um völlig individuell von einander gestaltete Stücke?
Ernst Horn: Die Texte direkt nicht unbedingt, nein. Die Texte haben nicht einen direkten Bezug zu einander. Es sind schon Texte aus ganz verschiedenen Zeiten, Ländern und auch Stimmungen, aber ich möchte schon ein bißchen einen roten Faden drin haben, das ist klar. Da sind natürlich auch diese Huullebecq-Texte sehr gut, die beiden Gedichte.
Vor allem das eine Gedicht: „Les habitants du soleil“ heißt das, also „die Bewohner der Sonne“: da bin ich momentan noch am Material sammeln. Ich will da ein bißchen dokumentarische Sachen, habe aber im Moment noch ein wenig Schwierigkeiten, Sachen zu kriegen. Es wird sicher ein inhaltliches Konzept geben, sowohl in zeitgenössischen Sprachdokumenten, wie auch in ein paar ganz bestimmten Songs, die dann auch öfter in verschiedenen Varianten vorkommen.
Colour-Ize: Kann man pauschal sagen, wie lange Du von einer Idee bis zur fertigen Umsetzung eines Liedes brauchst? Wie gehst Du da vor?
Ernst Horn: Die meisten Lieder habe ich schon angestrichen, als ich das zusammengesammelt hatte und schon die ersten Ideen gehabt habe dafür. Es sind noch ein paar Sachen dazugekommen.
Die nächste Stufe ist dann, das in etwa auszuarbeiten. Ich mache da immer Skizzen am Computer, wo ich nur so eine ganz grobe Klavierbegleitung habe, und die Melodie dazu, und ein paar kleine Rhytmusideen. Und in dem Fall war dann die nächste Stufe, es auszudrucken als Notendruck, also das dann wirklich zu komponieren - für die Sänger und für die Instrumentalisten. Und dann habe ich von einigen Stücken schon ein grobes Arrangement gemacht, wo es mir sinnvoll erschien, daß die Sänger dann auch schon die Stimmung von dem Ganzen kriegen und nicht nur so diese Klavierfassungen, die bei mir immer so ein bißchen arg trocken klingen. - Also Alexander liebt das auch nicht gerade sehr. Das klingt immer furchtbar bei mir, so ein ganz mieses Minischlagzeug und ein Elektro-Klavier….. - Dann ging es darum, die Aufnahmen zu machen. Als die im Kasten waren, hab ich angefangen, mir jedes Stück, eines nach dem anderen vorzunehmen und auszuarbeiten.
Colour-Ize: Wie sieht es denn diesmal mit der Instrumentierung aus? Bisher gab es für uns ja nur die Möglichkeit, zwei kleine Auszüge zu hören. Ist die Instrumentierung ähnlich der bei Qntal, oder ist es noch synthetischer geworden?
Ernst Horn: Das ist nicht unähnlich von der Mischung her, würde ich sagen, denn es ist eine Harfinistin dabei, die auf einigen Stücken spielt, jedoch nicht auf allen. Es gibt auch einige Stücke, die rein elektronisch sind. Dann war jemand da, der hat Drehleier gespielt, es ist ein Fiedel-Spieler dabei, der auch Zink und Schalmei spielt…
Colour-Ize: Es ist also doch eine sehr breite Palette vorhanden!
Ernst Horn: Jaja. Dann hab ich auch mal einen Scratcher da gehabt, also einen DJ.
Colour-Ize: Echt? Das auch?
Ernst Horn: Ja, ich hab’s dann auch selber ein bißchen gemacht, ich hab ja inzwischen auch selber so einen Tecknik-Kram und übe das auch ab und zu ein bißchen (lacht). Ich weiß noch nicht genau, ob ich noch einen E-Gitarristen mit dazunehme. Glaube ich jetzt aber eher nicht. Das hatte ich ursprünglich vor, aber ich glaube, das ist für den Zweck doch nicht so gut.
Colour-Ize: Sind die Stücke also doch noch soweit im Entstehungsprozeß, daß Du das jetzt noch entscheiden kannst?
Ernst Horn: Ja sicher. Ich habe im Moment 11-12 Stücke, also ich bin jetzt gut bei der Hälfte. Und der Rest ist natürlich schon vorgearbeitet. Es wird schon fertig werden…
Colour-Ize: Wie sieht denn eigentlich die Länge Deines Arbeitstages aus. Teilst Du Dir das einfach ein, wie Du möchtest, oder hast Du einen strikten Plan, den Du immer einhältst?
Ernst Horn: Nee, ich muß das schon ganz genau einteilen und zwar aus dem ganz banalen Grund, daß ich Papi bin und ich eine kleine Tochter hab, die ich in den Kindergarten bringen muß. Dann habe ich eben vormittags bis zum frühen Nachmittag ganz ordentlich Zeit zum Arbeiten. Und dann hole ich sie ab, dann sind wir noch ein bißchen zu Hause. Dann fahr ich wieder rein und am späten Nachmittag kommt meine Frau nach Hause und übernimmt sie. Also so ist das bei uns geteilt. Ja, ich fahr wieder rein und arbeite weiter bis abends, manchmal auch bis spät in die Nacht. Je nach dem, wie es sich ergibt. Es ist also schon ganz schön diszipliniert, es ist also nicht das, was man sich unter einem Künstlerleben vorstellt.
Colour-Ize: Wie kommst Du auf die Ideen zu Deinen Sounds oder auf die Liederthemen. Kommt das einfach so? Was inspiriert Dich?
Ernst Horn: Ich suche rum, in den Sachen, die ich habe. Bevor ich eine Produktion mache, habe ich immer wieder so Phasen, wo ich Sounds programmiere und wo ich Samples mache und es ist auch so eine Zeit, wo dann so einiges an Arrangementideen entsteht. Die schreibe ich dann immer auf. Wenn ich dann an einem Stück sitze, dann suche ich rum. Tja, ich kann es schwer sagen… manchmal klappt’s besser manchmal schlechter. Es gibt Stücke da geht es unheimlich schnell und an anderen Stücken bastel ich ewig rum und es wird nichts und wird nichts, da ist dann einfach der Wurm drin.
Colour-Ize: Aber irgendwann sagst Du dann auch, „jetzt ist Schluß. Wenn es absolut nicht sein soll mit dem Stück, dann soll es halt nicht sein.“
Ernst Horn: Ach nee, das eigentlich nicht. Ich verbeiße mich dann so richtig. Also ein Stück aufgegeben habe ich schon lange nicht mehr. Obwohl man das eigentlich wirklich machen sollte. Wenn man das Gefühl hat, es wird irgendwie nichts, dann sollte man es wirklich sein lassen. Aber ich verbeiß mich da so; ich habe schon seit ganz langer Zeit kein Stück mehr aufgegeben!
Colour-Ize: Gibt es bei Deinem Arbeitsalltag, gerade jetzt, während der Produktionsphase, etwas, das Dir überhaupt keinen Spaß macht?
Ernst Horn: Es gibt so Zeiten, da hat man das Gefühl, „jetzt muß es eine Entscheidung in die eine oder in die andere Richtung geben“. Das kann manchmal unheimlich zäh gehen, da den Einstieg zu finden, wenn man nicht ganz genau weiß, in welche Richtung man ein Stück arrangieren will. Das kann unangenehm sein.
Dann gibt es noch manchmal das Gefühl, wenn ich mir denke, ich komme mit dem Teil nicht zurecht, dann geht das echt ewig…. Und geht und geht und geht und geht…. Und dann geht’s mir furchtbar auf den Senkel. Und dann fängt das Stück an, mir auf die Nerven zu gehen. Wie ich schon eben sagte: Manchmal geht es einfach in einem Zug und dann ist es wieder ein furchtbarer Kampf. Ich habe aus der Vergangenheit gelernt, daß weder das eine noch das andere sagt, ob es ein gutes Stück wird. Manchmal geht’s zäh und wird schlecht, manchmal geht’s zäh und wird gut. Auch bei den Sachen, wo es schnell geht und ich unheimlich schnell zufrieden bin, ist es vielleicht auch mal nicht so toll, was dann rauskommt, oder es ist eben gut geworden.
Colour-Ize: Überrascht es Dich manchmal, daß ein Stück, von dem Du dachtest, daß es die Leute lieben, gar nicht so gut ankommt, wie geplant, und daß die Hörerschaft eher einen anderen Song ganz außergewöhnlich gut findet, auf den Du gar nicht so sehr Deinen Schwerpunkt gesetzt hast?
Ernst Horn: Klar, das ist ganz normal. Das Feedback, das von außen kommt, ist immer überraschend, auf jeden Fall. Teilweise vielleicht auch, weil die Leute das einfach nicht richtig verstehen und zum Teil auch, weil man es selbst irgendwie falsch verstanden hat. Wenn man selber drin steckt, ist man einfach „betriebsblind“, das ist ganz klar.
Colour-Ize: Ich kann mir vorstellen, daß man, wenn man etwas wie Deine Lakaien z.B. schon so lange macht, einen gewissen Riecher dafür entwickelt hat, was die Leute eher anspricht und was nicht.
Ernst Horn: Ja…… ich würde es eher mal festmachen an dem Gefühl: „Das ist die Single“. Das stimmt. Bei den Lakaien hatte ich schon von Anfang an das Gefühl (bei Kasmodiah), daß Return die Single sein kann. Und Alexander hat dieses Gefühl auch gehabt. Wir haben dann die komplette Produktion einigen Leuten vorgespielt und es haben die meisten auch auf Return getippt. Ebenfalls beim Titel Kasmodiah waren die Reaktionen durchaus sehr interessant.
Colour-Ize: Ernst, wir danken Dir ganz herzlich für das nette Gespräch und wünschen Dir viel Glück für die weitere Produktion von HELIUM VOLA. Wir sind sehr gespannt und wünschen Dir alles Gute.

Ernst Horn: Danke, das wünsche ich Euch auch. Haut rein!!!

Dieses Interview wurde von Dea und Jo am 22.5.2001 geführt.

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